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KTM X-Bow

18. August 2009 | robins

KTM X-Bow KTM X-Bow Wie splitternackt

Unglaublich, was man mit diesem Fahrzeug im Straßenverkehr auslösen kann.

„Peng!“ – Keine 500 Meter weit war ich mit den X-Bow gefahren, da krachte es schon: Der KTM hatte einem armen Golf-Fahrer auf der Gegenfahrbahn mit seinem abartig giftigen Design derart den Kopf verdreht, dass er mit 30 km/h auf den stehenden Vordermann draufgeknallt war. Ich stand an der roten Ampel und versank hinter meiner Sonnenbrille im Karbon-Schalensitz. Bloß weg! Ich hatte zwar nichts verbrochen, aber irgendwie fühlte ich mich schuldig an dem Blechschaden-Unfall, der natürlich auch noch sofort einen kleinen Stau auslöste. Der gewöhnungsbedürftige Gaffer-Effekt setzte sich an sämtlichen folgenden Kreuzungen (zum Glück ab diesem Moment unfallfrei) fort: Genauso gut hätte ich splitternackt über die Straße laufen können, obwohl ich nicht eitel genug bin zu glauben, dass ich dadurch auch einen Unfall ausgelöst hätte.

Beim Beschreiben des X-Bow (gesprochen „Krossbou“) fehlen einen wirklich ein wenig die Worte. Hatte man ihn mit einem Begleitbrief bei uns abgesetzt, würde der vermutlich in etwa so lauten: Hallo, ich bin ein Alien vom Planeten „F.U.N. 3.0“. Bei uns gibt es keine Energieknappheit und keine Umweltprobleme. Die Menschen bei uns bewegen sich in der Regel durch Beamen fort, weshalb die Fahrzeuge bei uns ausschließlich zum Spaß benützt werden. Die Menschen haben bei uns keine Bandscheiben, weshalb wir auch keine Fahrzeug-Dämpfung benötigen. Außerdem reisen sie (außer mit der Sonnebrille) gänzlich ohne Gepäck (lässt sich alles beamen) und regnen tut es auch nie, weshalb unsere Fahrzeuge alle offen und ohne Dach sind. Windschutzscheibe? Hmm, interessante Idee. Darüber hat bei uns noch nie jemand nachgedacht.

KTM X-Bow KTM X-Bow Auf dem Planeten Erde kann man mit dem X-Bow wenigstens teilweise die Lebensleichtigkeit und den Spaß nachempfinden, der in dieser anderen Welt alltäglich zu sein scheint. „Ist das ein Auto, Mama“, fragte ein sichtlich entzückter 6-Jähriger. Das fängt schon mit der Sitzposition an: Nicht die Karbon-Kralle in die man sich hineinzwängt wird verstellt, sondern die Platte, auf der Gas, Bremse und Kupplung montiert sind, kann justiert werden. Allein die Begrüßungsfrage („Ready to race?“) auf dem Display macht klar, dass der Kleine aus einer anderen Welt kommt. Mit 790 Kilo und 240 PS (Basis-Motorisierung aus einem Audi TFSI-Zweiliter-Benziner) zieht die Giftschleuder in 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. In jedem der zuckerfein und unerwartet leicht zu schaltenden Gänge drückt es einen ins Karbon-Gestühl, und man muss vor allem in engeren Kurven beim Hinausbeschleunigen aufpassen, dass das Heck (Heck-Antrieb!) nicht zu sehr wandert, weil, natürlich gibt es auf „F.U.N. 3.0“ auch kein ABS oder ESP oder wie immer das dort oben heißen mag. Alle Knöpfchen (außer dem für Start/Stop) sind Formel-1-mäßig und schön bunt auf dem Lenkrad zu finden: Abblendlicht, Fernlicht, Bord-PC, Blinker, Hupe, sogar Nebelschlussleuchte – alles da. Auf die Blinker vergisst man leider leicht, weil sie – wie beim Motorrad – nicht automatisch rückstellen. Stichwort Motorrad: Der Crossbow hat einige Gene von den Einspurigen mitbekommen, in erster Linie natürlich den Sound und die Beschleunigungswerte. Und da man sinnvollerweise auch mit Helm oder zumindest Motocross-Brille (wegen der Käfer und eventuellem Rollsplit) unterwegs ist, bekommt man auch den Motorrad-Gruß der Fraktion für kompromisslose Fortbewegung ab und an zu sehen. KTM X-Bow KTM X-Bow Will man mit dem X-Box stehen bleiben, muss man allerdings – ganz unmotorrad-like – recht kräftig in die Eisen treten (auch der Bremskraftverstärker ist wohl aus Platzgründen etwas kleiner ausgefallen). Die intelligenteste Zuschauer-Frage lautete denn auch: „Ist das ein Auto, Mama?“ und kam ganz unschuldig und sehr treffend von einem sichtlich entzückten 6-Jährigen.

Woran man sich beim X-Bow-Fahren gewöhnen muss: 1. Dass man jedem Durchschnitts-Pkw in Augenhöhe auf die Nummerntafel und jedem Lkw auf die Hinterachse starrt. 2. Dass man den Wiener Gürtel in der Rush-Hour meiden sollte, wie der Teufel das Weihwasser. 3. Dass man sich jedes Mal aus dem 4-Punkt-Gurt winden und halb aufzustehen sollte, wenn man einigermaßen sicher reversieren will (ja, der X-Bow hat einen Rückwärtsgang) ohne die breiten Heckfelgen am Gehsteig zu ruinieren oder den Hintermann zu küssen.

Aber auf „F.U.N. 3.0“ ist das natürlich unbedeutend. Da beamt man sich ja einfach in die Parklücke…

Der Motor

Vierzylinder-Turbo; 177 kW/240 PS, 300 Nm; 0 auf 100 km/h in 3,9 sec., Höchstgeschwindigkeit 217 km/h; Testverbrauch 11,2 l/100 km; Neupreis: ab 64.774 Euro.

(getestet von Tobias Micke)


Kommentare

2 Kommentare zu “KTM X-Bow”

  1. Johann
    19. August 2009 um 8:22 Uhr

    Ja, und sieht unglaubliich schön aus! Super Auto!

  2. Michael
    24. August 2009 um 10:33 Uhr

    Sieht kompromisslos gut aus und geht sicher wie die Hölle *g*. Würde ich echt gerne mal fahren!

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