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Mercedes Strich-Acht (W114/W115)

8. Dezember 2008 | robins

Mercedes Strich-Acht Mercedes Strich-Acht Augen fangen an zu glitzern und ein warmes Lächeln legt sich in die Mundwinkel, wenn’s um das Auto geht, dessen Erscheinungsjahr zum unverwechselbaren Markenzeichen wurde, ja, wenn irgendwer unvermittelt vom Strich-Achter zu erzählen beginnt.

/8 – der denkbar schlichteste Hinweis auf das Jahr 1968, als der Wagen sich der Welt vorstellte

/8 – in zwei Zeichen gegossene Insignie seines Ruhmesrangs.

Soviel ist klar: Autos, die einen solchen Namen tragen, haben ihn unweigerlich verdient, den Status „Kultauto“, haben ein unbezweifelbares Anrecht darauf, „Ikone der Automobilkultur“ genannt zu werden, haben sich unweigerlich um die Verehrung als „klassenloses Liebhaberobjekt“ verdient gemacht. Zumal, wenn sie über ein solch exquisites Ausstattungsmerkmal wie eine Scheinwerfer-Waschanlage verfügen.

Klassenübergreifenden Wohlgefallen hat der Strich-Achter jedoch nicht immer erregt. Auf der Imagepalette hat er geradezu eine Drehung um 180 Grad vollzogen, vom „Dienstwagen des Establishments und Traumauto des gehobenen Beamten“ über die zuverlässig-behäbige „Zugmaschine für Viehanhänger“ bis hin zum Lifestyle-Symbol des echten Individualisten, der seiner souveränen Coolness damit ihren automobilen Ausdruck verleiht.

Der Form nach jedenfalls passt er gut in die Metropole. Mit den beiden Baureihen W114 und W115 (so der Daimler-Benz-Jargon) wurde das alte Konzept der nachkriegszeitlichen Einheitskarosse im Stile von „Ponton“ und güldener „Heckflosse“ à la US-Karosse endlich verabschiedet. Unter der Federführung von Chefdesigner Paul Bracq hielt automobile Sachlichkeit ihren Einzug. Zeitlos, nüchtern, ohne Schnickschnack und mit klarer Linienführung, so zeigte sich nun die Karosserie.

Der Strich-Achter war das, was man ein Erfolgsmodell nennt. Knapp zwei Millionen mal wurde er im Produktionszeitraum von 1967-1976 verkauft. Wer jetzt verächtlich „Heizölferrari!“ ruft, „oller Schweine-Daimler!“, „dicke Wanderdüne!“ sagt und damit das solide Basismodell 200 D wie Diesel meint, der hat einfach keine Ahnung. Davon, dass in der ehrwürdig-behäbigen Begegnung von 55 Pferdestärken mit knapp 1,5 Tonnen Autoschwere eine ganz eigene Klasse erstrahlt. Der 200 D, das ist konsequente Entschleunigung, ist das Lob der Langsamkeit im Zeitalter der Ultraschallgeschwindigkeiten. Gutmütig-ländlicher Habitus verschmilzt mit metropolitaner Aura.

Er konnte allerdings auch anders, der /8. Neben den gemütlichen Vierzylindern 200 und 220 der Baureihe W115 gab es schließlich auch noch die zweite, W114. Und die brachte mit ihren beiden Sechszylindervarianten 230 und 250 schon ordentlich Schub. Erstere mit 120, zweite mit 130 PS. Später, ab 1972, gab es auch die 280er. Die kamen mit E und Doppelnockenwellenmotor auf bis zu 185 PS. Das waren keine lässigen Diesel-Schnarchnasen mehr, das waren topmotorisierte Spitzenmodelle. Erhielten zur verchromten doppelten Stoßstange vorne noch eine einfache hinten dazu, mit schönen, langen, auch verchromten Stoßstangen-Ecken. Hier wurden dann auch erstmals die Schweinwerfer mit der berüchtigten Wisch-Wasch-Anlage geputzt.

Mercedes /8 Mercedes /8 Apropos Ausstattung: Im Zuge intensiver und häufiger Modellpflege brachte es der /8 im Laufe der Zeit zu einer stattlichen Auswahl an außerordentlichen Extras. Einem breiten Aschenbecher etwa – dezent in die Mittelkonsole versenkt -, ferner einem umschäumten Schalthebel, Sitzkissen mit feinen Absteppungen und als luxuriöse Beigabe einem Teppich für die Hutablage. Nicht zu vergessen das Gewirke unter den Füßen, das im Zuge der 1969er Pflege die günstigen Gummimatten verdrängt hatte.

Ganz besonders individualistisch kommt übrigens die Werkslackierung von Basismodell 200 D und 220 D – mimosengelb und cayenneorange. Wie? Farbliche Scheußlichkeiten? I wo! Wer dieses denkt, ist nicht am Puls. Mimosengelb und Cayenneorange – Das sind keine Farben. Das ist Programm. Das ist 100 % Urban Style anno 2000-X.

Daten zum Mercedes Strich-Acht:

Bauzeit: 
1967-1976

Produktionszahl: rund 1,9 Millionen Fahrzeuge

Leistung: 55 PS (200 D) – 185 PS (280 CE Coupé)


Höchstgeschwindigkeit: 130 (200 D) – 200 (280 CE Coupé) km/h

Links:

MB /8 Club Deutschland e.V. Das Internetforum für Strichacht-Freunde

Strich8-Basis. Reparaturbleche, Raritäten und andere Ersatzteile

Treffpunkt Strich 8


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