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Seat 600

9. November 2008 | Automatick

Seat 600 Seat 600 Was dem Italiener sein Fiat, das dem Spanier sein Seat: heiß geliebtes Kultmobil, tausendmal mehr als bloß Statussymbol, ja: Identifikationsobjekt, Distanzenüberwinder, Packesel, Familienkutsche, in schmalzigen Schlagern besungen, in brünstigen Treuebekenntnissen verehrt.

Er habe viel “größere und stärkere Autos gehabt”, schwärmt der ehemalige Fußballstar von Real Madrid, José Martínez “Pirri”, “aber keines war so gut wie der Seat 600″. Der Wirtschaftswissenschaftler Fabián Estapé will in dem spanischen Nationalfahrzeug, das 2007 seinen 50. Geburtstag gefeiert hat, sogar das wichtigste Symbol für die Überwindung der Franco-Diktatur erkennen. Der Schritt Spaniens zur Demokratie sei weniger “das Werk von Juan Carlos und des ehemaligen Ministerpräsidenten Adolfo Suárez, sondern vor allem des Seat 600″ gewesen, ist Estapé überzeugt.

Dass der spanische 600er eine Lizenzfertigung des italienischen Fiat 500 war und deshalb baulich bis auf wenige Details mit diesem identisch, ist noch keine hinreichende Begründung für die enthusiastische Liebe, die den beiden kleinen Autos jeweils in ihrer Heimat gilt - der Knutschkugel-Familie im Stiefel und La pelotilla, dem Bällchen, auf der Iberischen Halbinsel. Hier in Spanien war möglicherweise die historische Situation, in die der zweitürige Kleinwagen hineingeboren wurde, verantwortlich für seine Popularität. Obgleich 1957, im Jahr seiner Einführung, alles andere als günstig und sogar mit einer zusätzlichen Luxussteuer belegt, war der Seat 600 schnell ein absoluter Verkaufsschlager.

Die kleine Kugel mit ihren 21,5 PS wurde zum prototypischen Zeichen des Wirtschaftsaufschwunges im Spanien der 60 Jahre, ebenso wie zum Symbol der spanischen Massenmotorisierung. Ende der Fünfziger Jahre besaßen hier nur ganze drei von tausend Einwohnern ein Auto. So mag es kaum verwundern, dass die Produktion bereits unmittelbar nach der Markteinführung auf zwei Jahre im Voraus ausgebucht war. Manch einer musste sogar ein paar Jahre warten, bis er endlich auch eines der unverwüstlichen Volksfahrzeuge sein Eigen nennen konnte.

Seat 600 D Jg. 1964 Seat 600 D Jg. 1964 Vierzehn Jahre lang jedenfalls war der Seat 600 unumstrittener Star auf Spaniens Pisten und Alleen. An die 800.000 Exemplare sind entstanden bis zur Einstellung der Produktion 1973. Dabei erfuhr der Zweitürer mit Heckmotor auch die ein oder andere stärkende Überarbeitung. Zwei Jahre nach Erscheinen des ersten Modells wurde die Leistung von 21,5 auf 28,5 PS erhöht, die Höchstgeschwindigkeit um 5 km/h auf 100 km/h gesteigert.
Mit Furgoneta Comercial gab es das Exemplar für den Händler und mit dem Seat 600 D wie Descapotabile die Cabriolimousine für den Sonntagsausflügler. Furgoneta besaß statt Rücksitzen einen Blechkasten, damit man in ihm Waren transportieren konnte, und der Seat 600 Sedan hatte vier statt nur zwei Türen, weshalb er sich als Taxi großer Beliebtheit erfreute.

Einfallsreicher und raffinierter noch als diese technischen Neuerungen aber waren oft die putzigen Ummodellierungen in praxisnaher Eigeninitiative - kühne Muster und knallige Lackierungen, Koffertürme und Gepäckträger, die halbe Hausstände trugen. Auch heute noch ist La pelotilla als kleines Oldtimerchen im Straßenbild eine wahrlich süße Ausnahmeerscheinung.

Daten zum Seat 600
Bauzeit: 1957-1973
Produktionszahl: insgesamt knapp 800.000 Exemplare
Leistung: Seat 600 1957 (21,5 PS/16 kW), Seat 600 1959 (28,5 PS/21 kW), Seat 600 D 1963 (32 PS/23,5 kW)
Höchstgeschwindigkeit: Seat 600 1957 (95 km/h), Seat 600 1959 (100 km/h)

Links zum Seat 600
Club Seat 600

(Wörtliche Zitate aus Focus Online: 50 Jahre Seat 600. Der Flamenco-Käfer, 08.06.07)


Kommentare

Ein Kommentar zu “Seat 600”

  1. Webnews.de
    10. November 2008 um 16:16 Uhr

    Seat 600…

    Was dem Italiener sein Fiat, das dem Spanier sein Seat: heiß geliebtes Kultmobil, tausendmal mehr a…

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