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Fuldamobil

2. November 2008 | robins

Fuldamobil 1955 Fuldamobil 1955 Dem Klassiker an sich steht ja das Jubiläum gut. Dieser hier feiert gerade seinen 60. Geburtstag. Nein, um genau zu sein, ist’s der Jahrestag seiner Formwerdung – von der ovalen Idee zum automobilen Ei. Die Henne, die es 1948 erfinderisch ausbrütete, hieß Karl Schmitt, kam aus Fulda und war ein wahres Tüftelhuhn mit Ingenieurs-Diplom. Das rollende Ei, das er erfand, hatte drei Räder, vorne zwei und eines hinten. 1950 war es das erste serienmäßig gebaute Kleinauto in Westdeutschland!

Gern hat man das rollende auch als rasendes Ei bezeichnet, was angesichts seiner absoluten Bestzeit von 80 km/h ein wenig seltsam anmuten mag. Vielleicht ist dieser Eindruck aber dem Umstand geschuldet, dass das Fahrzeug mit dem eiförmigen Aussehen mit 3000 D-Mark auch für ganz normale Familienväter erschwinglich war und somit sicherlich der Inbegriff schlechthin von kleinbürgerlicher Mobilität. Ganze 2 Mark 40 mussten Mutti und Vati damals pro Monat für die Steuern und 5 Mark 80 für die Haftpflichtversicherung berappen. Und wenn der 16,5 Liter Tank des FramKingFulda oder kurz: Typ S7 ganz mit Gemisch gefüllt war, konnte die Familie in einem Schwung gleich eine 320 Kilometer lange Reise tun.

Der King war allerdings schon die Kür unter den Dreiradfahrzeugen der Elektromaschinenbau Fulda GmbH. Ihm voran gingen 1951 Fuldamobil N2 mit 8 PS und 75 km/h, 1952 Fuldamobil 200, das es mit 9 PS schon auf 80 Sachen brachte. Die S-Klasse war dann die schnellste, schnittigste und komfortabelste. Weniger Ei in der Form, schaffte es der S4 mit seinen 10 PS auf ganze 85 km/h. Beim S7 konnte der Reisende gar die durchgehende vordere Sitzbank ausbauen und so über den Motorblock stülpen, dass auf diese Weise ein wahres Campingmobil geschaffen ward, darin man sich prima ausstrecken und ein Nickerchen halten konnte. Vorzüge, von denen schon ein Werbeprospekt aus dem Jahr 1956 schwärmte.

Im Hinblick auf die Karosserie war das Fuldamobil ein echter Verkleidungskünstler. Beginnend mit kunstlederbemänteltem Sperrholz, bekam das Ei bald Ecken. 1952 kleidete man es in kantiges Aluminium. Aus Kanten wurden ein Jahr später wieder Rundungen, ehe man sich eines besseren Stoffes besann und zum Gewand aus Kunstfaser wechselte. Der Kunststoff sollte aus einem Guss sein. Deshalb wurde er flüssig über eine Form gekippt und war nach drei Stunden Trockenzeit so hart, dass man das Karosseriekleid sofort über den automobilen Hintern ziehen konnte.

Attica 200 Attica 200 Gebaut wurde das Mobil – wie schon sein Name verrät – in Fulda. Man sagt, zwischen 1950 und 1969 seien um die 3000 rollende Eier entstanden – mal mehr, mal weniger oval.

Die Frucht des Huhnes ist offensichtlich so international-global, dass das berühmte Dreirad in der ganzen Welt als Lizenzfertigung des deutschen Eierautos gebaut wurde und auf diese Weise unter vielerlei Namen weltweite Popularität erlangte: als Bambino in Holland und den Niederlanden, als FramKingFulda in Schweden, Norwegen, Irland und Südafrika, als Nobel 200 in England und – hergestellt vom griechischen Automobilkonzern Bioplastic S.A. (sic!) unter dem schönen Namen Attica 200.

* * *

Daten zum Fuldamobil

Bauzeit: 1950-1969


Produktionszahl: ca. 3000 Exemplare

Leistung: 8-10 PS


Höchstgeschwindigkeit: 75-85 km/h

Links zum Fuldamobil

The Bruce Weiner Microcar Museum, Madison/Georgia/USA

mit 1953er Fuldamobil N-2, 1956er Fuldamobil S-4, 1956er Fuldamobil S-6 und dem 1959er „King“ Fulda

Liebevoll in Szene gesetzt: Album „Fuldamobil NWF 200“

Liebhaber- & Infoseite Fuldamobil.de


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