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Trabant

19. Oktober 2008 | robins

Trabant P50 Trabant P50 Nicht sonderlich charmant, um nicht zu sagen spöttisch waren sie, die Spitznamen, die man dem historischen „Weggefährten“ und „Begleiter“ des ostdeutschen Bürgers seinerzeit verliehen hat. Anfänglich als robuster und sparsamer „Volkswagen“ der DDR gefeiert und in gepflegt poliertem Zustand lange ein Statussymbol, schimpfte man ihn später gerne Rennpappe, Asphaltblase und Plastikbomber.

Wenn auch Witz in diesen Namen steckt, der sich auf die Kunststoffhaut des Trabanten und seine mit Phenoplast beplankte Karosserie bezog, so war es später sicherlich vor allem Ärger, der darin mitschwang, Ärger über die fehlende Innovation und die hoffnungslose Überalterung des Modells.

In den ersten Produktionsjahren seit 1957 hatte es noch einige nennenswerte Entwicklungssprünge gegeben – etwa zwischen P50 und P60 den von 18 auf 23 PS, 1964 mit dem P601 eine neue Karosserie und kurz darauf die Einführung des Kombi „Trabant 601 universal“. Natürlich gab es auch die Sonderausstattung „S“ und einen „de Luxe“, der sich mit zweifarbiger Lackierung und verchromten Stoßstangen von „S“ und Standard abhob, aber im Großen und Ganzen passierte für die folgenden 26 Jahre nicht viel mit und im Trabant 601 – abgesehen von einigen späten Verbesserungen, etwa der Einführung einer elektrischen Scheibenwischanlage im Jahr ’77.

Unschmeichelhafter Ruhm

Der Trabant jedenfalls ist einer der Kandidaten, die das Time-Magazin auf die Top 50-Liste der schlechtesten Autos aller Zeiten aufgenommen hat. In der Begründung für die unrühmliche Auszeichnung heißt es, die ‚hohle Lüge‘ Trabant sei aus nichts anderem konstruiert als aus ‚recycelter Wertlosigkeit‘. Er habe geraucht wie ein irakisches Ölfeuer, wenn er denn überhaupt gelaufen sei, und die Ausstattung mit dem Rudimentärsten – Bremslichter und Blinker – sei bei ihm wohl eher eine Art rarer Zufall gewesen. Allein die Umstände der Geschichte sind dem Trabi offensichtlich gewogen gewesen, befindet man weiter, denn im Zuge des Mauerfalls, als Tausende von Ostdeutschen in ihm die Grenze passierten, sei Trabi zum selbstfahrenden Befreier avanciert.

Trabant 600 Kombi Trabant 600 Kombi Trotz aller Schelte: Kultauto und Kulturgut

Welchen Ruf auch immer der Trabant im In- und Ausland genießt und wie sehr er auch heutzutage belächelt werden mag – mehr als jedes andere Fahrzeug steht er als Symbol für die Ära der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte. Ähnlich wie die pastellfarbenen Urzeitkarossen auf Kuba ist er der motorisierte Ausdruck des politischen und wirtschaftlichen Systems, aus dem er hervorgegangen ist, ebenso wie Ausdruck eines ganzen Lebensgefühls, das mit dem Besitz oder Nichtbesitz eines Trabanten unter den gegebenen Bedingungen verbunden war.

Die offizielle „Wartezeit“ auf einen Trabanten betrug damals ganze 15 Jahre. Für einen damaligen Westdeutschen, bei dem allein gesetzliches Mindestalter, bestandene Führerscheinprüfung und das eigene Portemonnaie bzw. das der Eltern über den Zeitpunkt des ersten eigenen Autos entschied, schlechterdings unvorstellbar. Ebenso unvorstellbar, was es unter diesen Bedingungen für Vorstellungen von Status, aber auch von Mobilität geheißen haben muss, im Besitz eines Trabanten zu sein.

Ein bedeutungsvolles Kulturgut also, der Trabi, und zwar nicht nur für einstige DDR-Bürger. Unzählige Trabi-Fanclubs und internationale Trabantfahrer-Treffen zeugen davon.

Daten zum Trabant

Bauzeit: insgesamt 1957-1991

Produktionszahl: insgesamt 3.069.099 Exemplare

Leistung: P50 (13 kW/18 PS), P 60 (17 kW/23 PS)

Höchstgeschwindigkeit: P50 (90 km/h), P601 (100 km/h), 1.1 (120 km/h)

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Links zum Trabi:

Testen Sie Ihr Fachwissen im großen Trabi-Quiz!

Die Geschichte des Automobilbaus in der DDR

Trabant Club-Verzeichnis (2006)

Fotostrecke SPIEGEL-Online „Trabi-Treffen in Zwickau“


Kommentare

Ein Kommentar zu “Trabant”

  1. Webnews.de
    27. Oktober 2008 um 11:23 Uhr

    Trabant…

    Nicht sonderlich charmant, um nicht zu sagen spöttisch waren sie, die Spitznamen, die man dem histo…

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