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Taxi: Fahrpreis jenseits der Schmerzgrenze

11. September 2008 | robins

an der Halte an der Halte Ich war mal wieder im Taxi unterwegs. Der alte Brummbär sitzt seit 1980 hinterm Steuer und schwärmte von den guten, alten Zeiten. Na, das kenne ich ja, jeder schwärmt von früher, jeder erzählt wie schön doch alles war. Wie sieht es denn heute aus, im Taxigeschäft?

Öde, das kann man wirklich sagen. Eine Dienstleistung kostet nun mal etwas, und dass garantiert wird, dass in fünf Minuten eine klimatisierte Limousine vor meiner Tür steht natürlich auch.

Was kann ich nicht alles haben für mein Geld… mit Kindersitz, für einen kleinen Hund geeignet, für einen großen Hund geeignet, mit zwei Kindersitzen, Fahrer mit Krawatte, Fahrerin, Limousine oder Bus, Stadtrundfahrt, Besorgungsfahrten, Duo-Fahrten – jeder Sonderwunsch ist problemlos und ohne Aufpreis erfüllbar.

Schon merkwürdig, dass die Preise für diese Dienstleistung nicht an den anfallenden Kosten, sondern am aktuellen politischen Diskussionsspielraum orientiert sind. Im Supermarkt ändern sich die Preise, wenn es sein muss, täglich. Samstagabend kostet das Kilo Melone 0,59 Euro, Montagmorgen im Zweifelsfall 1,79 Euro. Der Fahrpreis für eine Taxifahrt ändert sich hingegen in Mehrjahresschritten.

Preiserhöhungen will kein Kunde, ist ja klar. Klar ist aber auch, dass jede Dienstleistung ihren Preis hat und dass abgesehen von den Kosten auch noch eine Gewinnspanne für den Fahrer und den Unternehmer kalkuliert werden muss.

Alle Jubeljahre eine Fahrpreiserhöhung (die sich weiterdrehende Preisspirale natürlich nicht inbegriffen), das ist wirklich nicht fair. Jeder PKW-Fahrer ärgert sich über die Benzinpreise, die Taxiunternehmer müssen sie klaglos hinnehmen. Sie warten und warten, bis die Politik sich erbarmt, die Preise anzupassen. Mein Fahrer heute war sehr freundlich, hoffentlich kann er seiner Familie auch montags mal Melone kaufen.

Kommentare

2 Kommentare zu “Taxi: Fahrpreis jenseits der Schmerzgrenze”

  1. mimpu
    13. September 2008 um 19:46 Uhr

    Du hast mich echt zum Nachdenken gebracht! Jeder schimpft auf die Preise, aber fast keiner kommt auf die Idee,dass auch der, der kassiert, oft um seine nackte Existenz kämpft. Ein bisschen mehr Nachdenken vor dem Meckern täte uns gut!

  2. Daniel
    21. September 2008 um 11:52 Uhr

    Du sprichst mir aus der Seele. Ich arbeite in einem Taxi- und Reisebusunternehmen mit Schwerpunkt „Bus“, aber dort ist es genauso.

    Bei den Busfahrpreisen beschweren sich dann sogar nicht wenige Stammkunden darüber, dass die Fahrt nicht *billiger* wird! So frei nach dem Motto „Jetzt fahren Sie uns schon zum 5. Mal nachts um zwölf nach Frankfurt an den Flughafen, da könnten Sie uns doch mal einen besseren Preis machen“.

    Klar, die Ehre, den Menschen zu Diensten zu sein, sollte uns wirklich mehr wert sein 😉

    Die Frisöre klagen gegen die 11-Euro-Konkurrenz und fahren fröhlich per Minicar nach Hause (beschweren sich aber dann dort über die Unverfrorenheit, keine Sonderwünsche ohne Aufpreis zu erfüllen), ein größerer lokaler Gastronom äußert sich öffentlich zu Gunsten der einheimischen Landwirte – und kauft die Lebensmittel für sein Lokal selber bei den großen Discountern, weil es billiger ist. Selbst zu sparen, wo es geht, scheint absolut legitim zu sein, aber wehe den anderen, die durch ihre eigene Sparsamkeit woanders kaufen als bei mir.

    Gruß

    Daniel

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