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Fiat 500 1.4 16V Sport

5. Juni 2008 | robins

Fiat 500 Fiat 500 Kleines Auto, großer Wurf

„Süüüüß!“ – Wie lange ist es her, dass ein Auto solche Emotionen ausgelöst hat? Okay, da war die Neuauflage des Mini Cooper, aber sonst? Der „Tschinkwetschento“ ist endlich wieder da. Und bei dem Design sieht man gerne über einige Kleinigkeiten hinweg. Doch es gibt es ein paar Dinge, die man vor dem Kauf wissen sollte…

Man kennt sie, die Autotester, die leicht zu begeistern sind. Der Verfasser dieser Zeilen zählt nicht dazu. Warum Sie sich das anhören müssen? Weil der neue Fiat 500 auch bei näherer Betrachtung das erste Auto ist, das der Autor dieser Zeilen so aufregend findet wie seinen geliebten verstorbenen 56er-Ovali-Käfer.

Man hat ihn eh schon überall gesehen, den Kleinen. Und man sagt sich beim Zeitschriftenblättern im Friseursalon: „Schau ihn Dir doch mal in Realität an. Diese Hochglanzmagazine täuschen. Und dann sehen wir weiter.“ – Wir sehen weiter. Und es muss ganz einfach festgestellt werden, dass der neue Fiat 500 – „Tschinkwetschento“ klingt wie ein russischer General aus dem Kalten Krieg – designmäßig haargenau so gut gelungen ist, wie es in den Ankündigungen versprochen wurde. Auch von innen. Die gute Laune, die auf den Fahrer übergreift, sobald er sich diesem Auto nähert, setzt sich fort, wenn er am Lenkrad sitzt.

Armaturenbrett des Cinquecento Armaturenbrett des Cinquecento Das Armaturenbrett in seiner mit der Außenfarbe identischen Blechoptik ist großartig, und auch das Multifunktions-High-Tech-Retro-Instrument mit Drehzahlmesser und Tacho schafft elegant die Kurve von den 60ern ins Jahr ’08. Und erst die Knöpfe in der Mittelkonsole unter dem Radio – einfach herrlich!

Selbst wenn dies dem Autor und vielen anderen potenziellen Käufern egal sein wird: Kommen wir zu jenen Punkten, die man in Kauf nehmen muss, wenn man ein Stück Zeitgeschichte, einen automobilen Designer-Geniestreich wie diesen fahren will.

Die Lautstärke, die vom brustschwachen 100-PS-Motor ausgeht, ist der größte Schwachpunkt. Besonders dann, wenn man sich der alten Lehre besinnt, wonach ein Benziner erst bei hoher Drehzahl gut beschleunigt, hat man keine Freude mit dem Lärmmacher. Es ist zu vermuten, dass ein 75-PS-Diesel die bessere Wahl für dieses Auto gewesen wäre. Fiat ist bekannt für seine feinen Diesel-Motoren, und der 1.3 JTD mit Dieselpartikelfilter dürfte deutlich weniger verbrauchen als die teils über 10 Liter in der Stadt, die ein 100-PSler schluckt. Auch ginge der Motor ’von unten’ besser, was das Hochdrehen in lärmende Dezibelbereiche von vornherein reduzieren würde. Und nicht zuletzt würde auch das Dieseltuckern viel besser zum Retro-Stil des 500ers passen.

Außerdem wird, wer in diesem Auto zur Handbremse greift, stattdessen meist den monströs großen Griff für die Fahrersitzhöhenverstellung erwischen. Und wer bei der Voicecontrol des Bordcomputers „Lotus“ statt „Bluetooth“ versteht, muss deswegen nicht zum Ohrenarzt. Es ist die Kunst-Stimme, die nuschelt und lispelt, wie auch immer das gehen mag. Und das billig wirkende Plastikfach vorn in Kniehöhe auf der Beifahrerseite mutet an wie der halbgeglückte Versuch, so etwas wie einen Cupholder in der Stilikone unterzubringen. Apropos Beifahrer: Dass man diesen Sitz nicht serienmäßig höhenverstellen kann, ist schade.

Enttäuscht ob der vielen Kritik? Das sollten Sie nicht sein. Der neue Fiat 500 ist großartig. Und es ist eine Blödheit von Motorjournalisten so zu tun, als müsse ein modernes Auto mit einem klar umgrenzten Zweck dennoch alles können.

Fazit: Wer sich durch diese kleinen Schwächen vom Kauf abhalten lässt, der ist vielleicht einfach noch nicht reif für eine Beziehung – mit dem neuen Fiat 500.

Ausstattung: Neben skurillen Extras auf Wusch wie Rennstreifen, Rennnummer (!) und Luxus-Accessoires wie Navi, Leder, Einparkhilfe und Klimaautomatik gehört leider auch so etwas Wichtiges wie ESP zum Extra-Angebot. Serienmäßig sind dafür 7 Airbags, der Tempomat, das CD-Radio, Klimaanlage und elektrische Fensterheber.

Praxis im Fiat 500 1.4 16V Sport

Motor/Antrieb

Plus Man ist mit diesem Antrieb sicher nicht untermotorisiert.

Minus Wir raten dennoch von dieser Motorisierung ab. 100 PS fühlen sich anders an und auch das Argument, man müsse ja bei einem Benziner die Drehzahl ausnützen, zieht nicht, weil der Kleine bei 4500/min (wo es dann losgeht) schon ohrenbetäubend dröhnt.

Komfort

Plus Eigentlich ist alles da, was man braucht: beleuchtete Schminkspiegel, Lenkradfernbedienung, sogar eine lispelnde Computerstimme für Voice-Control.

Minus Das Auto ist auch wegen des kurzen Radstands ziemlich hart und „schaukelig“; die Sitze könnten bequemer sein.

Fahrverhalten

Plus Das Lenkrad liegt wirklich super in der Hand; die Abstimmung ist recht neutral.

Minus Die Sechsgang-Schaltung ist in der Handhabung nicht berauschend: ein etwas zu langer Schaltweg, ein wenig hakelig; der Wenderadius ist wegen der 6-Gang-Schaltung deutlich zu groß für so ein Miniauto (bei den anderen Versionen nur 9,2 Meter); und auf Langstrecken wird’s in dem Kleinen naturgemäß anstrengend.

Platz/Variabilität

Plus Die Kofferraum-Klappe geht sehr weit auf, es droht also keine Beule am Kopf; die Rücksitzbank ist geteilt 50:50 und umklappbar (allerdings nicht ganz waagerecht). Mit offenem Schiebedach können auch ganz Große in diesem Auto fahren…;-)

Minus Was soll man sagen: Ein kleines Auto hat eben wenig Platz; in der zweiten Reihe muss man als Erwachsener den Kopf einziehen; der Kofferraum ist naturgemäß winzig mit seinen 185 Liter Volumen.

Messwerte

Topspeed: 182 km/h. Beschleunigung: von 0 bis 100 km/h in 10,5 Sekunden. Testverbrauch: 8,3 Liter auf 100 km. Preis: ab 14.900 Euro

Daten ab Werk

Motor

Vier Zylinder in Reihe, vier Ventile pro Zylinder; Hubraum 1368 ccm; max. Leistung 73,5 kW/100 PS bei 6000/min., max. Drehmoment 131 Nm bei 4250/min; Verdichtung 10,8:1

Kraftübertragung

auf die Vorderräder; 6-Gang-Schaltgetriebe

Fahrwerk und Karosserie

selbsttragende Karosserie mit Hilfsrahmen; vorne Federbeine, Dreiecksquerlenker, vorne und hinten Kurvenstabilisator, Schraubenfedern; Vierrad-Scheibenbremsen, ABS mit EBD, Handbremse auf die Hinterräder; Reifen 185/55 R 15; Länge/Breite/Höhe in mm: 3550/1650/1490; Eigengewicht: ab 900 kg; Wendekreis: 10,6 Meter; Tankinhalt: 35 Liter

Verbrauch

auf 100 km (laut Werk): städtisch 8,2, außerstädtisch 5,2, gesamt 6,3 Liter. 91 Oktan

(getestet von Tobias Micke)


Kommentare

4 Kommentare zu “Fiat 500 1.4 16V Sport”

  1. Dorothea
    13. Juni 2008 um 11:20 Uhr

    8,3 l ist wirklich happig und wirklich schön ist der Cinquecento auch nicht, aber eins hat er und das wiegt imho alle Schwächen auf: Charisma.

    Danke für den schönen Beitrag!

  2. Fiat 500 Topolino : AutomaTick - Das Auto Magazin
    18. Juni 2008 um 10:59 Uhr

    […] Fiat Cinquecento anno 1936 und anno 2007. Über den Jungspunt staune man an anderer Stelle. Hier geht’s um das […]

  3. Mirco
    25. Juli 2008 um 22:22 Uhr

    Tempomat serienmäßig? Das wundert mich aber! 🙂

  4. Tobias Micke
    28. Juli 2008 um 14:47 Uhr

    Hallo Mirco!

    Sorry, mit dem „serienmäßigen Tempomat“ haben ich mich vertan. Wird korrigiert…

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