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Raffaello im Gepäck?

26. Mai 2008 | robins

Pangaea Pangaea Der Schwabe ist neben seiner berühmten Küchenspezialität, „den von Hand g’schabten Spätzle“ durchaus auch für seinen wehrhaften Wortwitz bekannt. Was wird der schwäbische Volksmund also nun zur neuen Mercedes- Schicki-Micki-Vorzeige-Welterrettungsaktion sagen? Wohl etwas mit Geschmack, so à la, „die hen de Arsch offe!“. Eine Übersetzung scheint überflüssig, das Studienobjekt ist allzu bekannt.

Was ist passiert? Ganz kurz: Daimler spendiert einem südafrikanischen Abenteurer, natürlich ganz exklusiv und Markenfetisch nobel, eine Kreuzfahrt über die sieben Weltmeere. Besonders kess scheint die Überlegung der wohl unschwäbischen Markenstrategen: Da schreiben wir jetzt einfach mal „Welterrettung, rettet die Wale, oder Artenschutz drauf“. Im Hinterkopf wohl wissend, dass der gesamte Schwachsinn damit nix zu tun hat. Das Ärgerliche ist doch: Da fehlt es Forschung und Lehre in Deutschland an allen Ecken und Enden an Mitteln. Und Daimler lässt anlässlich der Indiana Jones Premiere in Cannes die Hosen runter und macht selber auf „Heureka wir sind ja soooo cool und grün und LOHA„. Wir haben verstanden.

Nix haben die verstanden, die unter Doctor Z die Strippen im Konzern ziehen. Der Ölpreis rauf, bis auf horribel prognostizierte 200 Dollar am zum Jahresende, die Freude an der Kutsche dahin, das schlechte Gewissen immer im Gepäck und Daimler fällt nix ein, bis auf untaugliche Versuche, die Spaßgesellschaft in das grüne Zeitalter zu retten. Vielleicht bekommt nun das „größte jemals gebaute Expeditions-Segelschiff PANGAEA“ (i. e. sponsored and powered and thinktankt von Daimler) eine Vier-Jahres-Ration von Raffaello mit ins Gepäck.

Mike Horn Mike Horn Oder was der selbst ernannte Abenteurer Mike Horn bei seinem Jules Vernes Trip um die Welt (von Mercedes-Benz nach eigenen Worten als exklusiver Partner und Hauptsponsor unterstützt) sonst machen? Uiiii, das Leitmotto unter der Mercedes-Stern-Regatta lautet: „explore – learn – act“.

Da wird auch der wahrscheinliche bisher abenteuertechnisch zu kurz gekommen Vice President Brand Communications Mercedes-Benz Cars, Dr. Olaf Göttgens, nicht müde permanent „Klima, Klimaschutz, Artenvielfalt“ zu rufen. Er verweist auf die „TrueBlueSolutions“ von Mercedes-Benz und verkauft die als ambitionierte Nachhaltigkeitsstrategie und hat wegweisende Technologien auf dem Weg zum emissionsfreien Fahren entwickelt. Erröten würde er, wenn er eine Benchmarkanalyse seiner Triebwerke im Vergleich zu BMW ziehen müsste. Da schneiden die sportlicheren Bayern-Motoren deutlich sparsamer ab als die schwäbische Konkurrenz.

Und das ist genau der USP der Zukunft. Spaß an der Mobilität – und das mit gutem Gewissen. Denn die wenigsten fahren derzeit mit gutem Gewissen an die Tanke und lassen den Herrgott einen lieben Mann sein. Bei Diesel teurer als Super bei über 1.50 Euro ist die Schmerzgrenze erreicht. Und die Sheiks lachen gar nicht mal mehr so laut. Denn das globale Energieschiff, ausnahmsweise nicht von Daimler gesponsert, steuert graduell in eine andere Richtung – weg vom Öl, vor allem, weil wir bald keines mehr haben werden. Also bitte liebe Stuttgarter. Jetzt sind bald Sommerferien, ich weiß. Aber vielleicht macht ihr eurem Tüftlernamen und der Ingenieurswissenschaft ja mal ein bisschen Ehre und erfindet das Rad einfach mal wieder neu.

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