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Die Kunst des Schattenspiels

22. Oktober 2007 | robins

Sieger ganz links - Weltmeister Räikkonen gewohnt ungerührt Sieger ganz links - Weltmeister Räikkonen gewohnt ungerührt Erst gestern, an einem gewöhnlichen Sonntag mit kaltem Wind und feuchter Luft geschah es wieder: Im strahlend hellen Sonneschein über der Südhalbkugel wurde ein Drama geliefert, so schön, wunderbar, sportlich und von symbolischer Strahlkraft, dass es einem zuhause in Europa, mollig eingewickelt in Decken, ganz schaurig wurde. Wären die Darsteller ein bisschen sprachgewandter, ihre instinktiven Posen etwas selbstsicherer: Das Spiel hätte das Zeug zur Theateraufführung.

Für Zimperlichkeiten ist die Vollgasbranche Formel 1 die falsche Bühne. Und so müssen auch die im Vorfeld gequält gespielten Grinse-Arien als Fortsetzung des Axioms verstanden werden, „Lächeln ist die beste Art die Zähne zu zeigen“. Die Dreierkonstellation Räikkönen versus Alonso versus Hamilton brachte RTL im Schnitt mehr als 11 Millionen Zuschauer. Parallel gaben die RTLer bekannt, die Formel1 bis mindestens 2011 im Programm behalten zu wollen. Dennoch, zum Vergleich: Der Abschied des deutschen Nationalrennfahrers Michael „Schumi“ Schumacher brachte es vergangenes Jahr auf rund 15 Millionen.

Sympathische Zukunft - Lewis Hamilton Sympathische Zukunft - Lewis Hamilton Aber ganz gleich wie die Sympathien an diesem speziellen brasilianischen Nachmittag verteilt waren, sie zeigen viel über Ehrgeiz Einzelner, das Funktionieren von Teams und die Sprache der Konzerne. Zugleich wird erneut deutlich, wie unberechenbar und heikel Hochleistungssport als Vehikel für Konzerne ist, die im Laufe der Jahre hunderte von Millionen investieren, um am Ende wie nun McLaren-Mercedes in den Gazetten als Geschlagene und die Dummen verhöhnt zu werden.

Am Ende siegte einer, den keiner mehr so richtig auf der Rechnung hatte. Räikkönen wurde schon als verbrannter Rennfahrer abgeschrieben, der nicht das notwendige Sieger-Gen mitbringe. Nun fiel ihm der Titel in den Schoß, was zum einen daran lag, dass er ein ganz famoses WM-Finale fuhr und seinem Spitznamen „Iceman“ zur Ehre gereichte. Zum anderen lag es jedoch ebenso am Unvermögen seiner Gegner, die sich in einer Manier selbst zerfleischten, die in der Öffentlichkeit für lautes Hallo sorgte.

Am Ende einer Titeljagd: Fernando Alonso Am Ende einer Titeljagd: Fernando Alonso In dem Rührstück um Fahrer Nummer eins, Alonso, gegen Newcommer und Nummer zwei, Hamilton, steckt viel von Alltags-Arbeitsatmosphäre, so viel Zwischenmenschliches, dass die meisten ähnliche Erfahrungen selbst oder ihrem Umfeld bereits gemacht haben dürften.

„Who’s the BOSS“, lautete dabei die Frage. Der Junge stürmte, der Alte ließ sich bedrängen und schließlich schenkte man der Konkurrenz den Sieg. Wenn sich das mal nicht hervorragend als Parabel für unterlegene Unternehmensstrategie herausstellt. Und das auch noch im Zeichen des Sterns. Vermutlich blieben in der Daimlers Stuttgarter Konzernzentrale die Sektflaschen zugepfropft. In diesem traurigen Moment macht es sich jedoch bezahlt, dass man sich von Konzernseite mit dem Hintergrund begnügte und nicht plakativ in den Vordergrund drängte. Im Falle einer Niederlage wird man so nicht selbst zum Ziel.

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